Ein Telegramm versetzt die Bergwelt in Unruhe...

Zu Beginn der Sommersaison 1895 erhielt die Familie Cathrein, damalige Besitzerin des Hotels «Riederfurka», ein Telegramm mit folgendem Inhalt:

«Reservieren Sie für 3. Juli fünf Zimmer, plus fünf Kammern für Angestellte; zwei Kutschen auf Bhf. Brig, Mittagszug; zehn Packpferde in Mörel. Cassel, Park Lane, London R. P.»

«Kraut-, Stein- und Bergnarren»
Mit Ausnahme des Absenders war an dem Telegramm nichts Ungewöhnliches. Bereits anfangs des 19. Jahrhunderts hatten die Engländer mit der touristischen Eroberung der Schweizer Alpen begonnen und dabei auch die Aletschregion nicht ausgelassen. Von den Einheimischen mit Skepsis beäugt, und als «Kraut-, Stein- und Bergnarren» verspottet, waren sie doch mehr als willkommen - brachten sie doch ein wenig Bargeld mit in die bis dahin nicht allzu sehr mit Reichtümern gesegnete Bergwelt.

In den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts erschienen die Bergfreunde schon dermassen zahlreich, dass die Alphütten und Maiensässe der Einheimischen ihre Zahl nicht mehr fassen konnten. So entstanden innerhalb sehr kurzer Zeit mehrere Hotels, darunter das «Hotel Jungfrau» und das Hotel «Riederfurka».

Hoher Besuch
Einen Gast wie Sir Ernest Cassel, Bankier und einer der reichsten Männer seiner Zeit, hatte das einfache Berghotel allerdings noch nicht gesehen. Es versteht sich, dass dies für gehörige Aufregung bei Catharina Cathrein sorgte, welche damals bereits die Hotels ihrer Familie verwaltete: Würden die einfachen Schlafkammern, die niedrige und verrauchte Gaststube und die Küche mit dem gestampften Lehmboden den recht hohen Ansprüchen der englischen Herrschaften genügen?

Wer war eigentlich dieser Sir Ernest Cassel? Und was wollte der sonst eher in mondänen Orten in Begleitung von Adel und Hochfinanz logierende Herr auf der verschlafenen Riederalp...?