Der nahende Krieg beendet eine zwölfjährige Tradition

Auch 1914 waren bereits alle Vorbereitungen für den Sommeraufenthalt auf der Villa Cassel getroffen worden, und der Hausherr war schon eingetroffen.

Ein Attentat mit Folgen
Doch alle Anzeichen für einen Krieg in Europa verstärkten sich. Zwar hat Cassel in den vergangenen Jahren seinen Einfluss in Deutschland und in England geltend gemacht, und wo möglich für den Frieden geworben. Er sprach sich mit Churchill und anderen englischen Ministern ab und traf 1912 sogar mit Kaiser Wilhelm II in Berlin zusammen, um über den Flottenkonflikt zwischen England und Deutschland zu verhandeln. Aber nach dem Attentat auf den österreichischen Kronprinzen Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 in Sarajewo verloren alle Verhandlungen bald ihren Sinn.

Diplomatie auf der Riederalp
Zu keinem anderen Zeitpunkt mag die Telefonleitung von der Villa Cassel nach Brig eine derart bedeutende Rolle gespielt haben. Denn auch in letzter Minute versuchte Cassel zusammen mit anderen wichtigen Männern der Hochfinanz und Wirtschaft noch, die Regierungen von Deutschland und England umzustimmen und von einem Krieg abzubringen. Aber die verhängnisvolle Kaskade von Drohungen und Gegendrohungen, Ultimaten und Solidarität der verbündeten Staaten hatte sich bereits derart hochgeschaukelt, dass es keinen Weg zurück gab.

Abreise in letzter Minute
Sir Cassel verliess die Schweiz erst im bereits aufkeimenden Chaos. In den darauffolgenden Jahren liess er zwar weiterhin jeden Sommer die Villa für sein Kommen vorbereiten, jedoch verhinderten die Wirren des Krieges und Cassels immer schlechter werdender Gesundheitszustand sein Kommen. Sowohl die Sorge um sein finanzielles Werk als auch sein Misserfolg bei dem Bemühen um einen Frieden machten ihm zu schaffen.

Eine Epoche geht zu Ende
Über den frühen Tod seiner Frau und seiner Tochter kam er ebenso wenig hinweg wie über die Tatsache, dass er nun plötzlich in England wieder als deutscher Jude und damit als potentieller Verräter galt, obwohl er erst kurz zuvor immense private Kriegsanleihen von England gezeichnet hatte. Cassel starb verbittert am 21. September 1921 in seinem Haus in London.

Damit endete eine lange Epoche - in der Schweiz und in ganz Europa. Erbin des immensen Vermögens und damit auch der Villa Cassel war Edwina Mountbatton, Cassels Enkelin. Was würde sie mit diesem Besitz tun...?