Bürgerliche Gäste im Hotel Villa Cassel...

Die Haupterbin von Sir Ernest Cassel, seine Enkelin Edwina Mountbatton, hatte sich in den letzten Lebensjahren treusorgend um ihn gekümmert. Nun aber stand sie vor der Frage, was sie mit der Villa Cassel auf der Riederfurka ebenso wie mit den anderen Landsitzen in England, Frankreich und der Schweiz anfangen sollte? Schliesslich strebten sie und ihr Mann hinaus in die grosse weite Welt, und meinten damit eher Indien denn die Schweizer Bergwelt.

Ein Hotel entsteht
Daher wurde die Villa zusammen mit dem Chalet Cassel 1924 an die Hoteliersfamilie Cathrein verkauft und nachfolgend vorsichtig für den Hotelbetrieb umgestaltet. Die wesentlichen Strukturen und die besondere Atmosphäre des Hauses blieben dabei weitgehend erhalten.

«Whisky on the rocks»
Aber der Hotelbetrieb blieb mühsam und teuer: Das Eis musste nach wie vor zwei Mal in der Woche vom Gletscher geholt werden, die Lebensmittel kamen wie bisher per Maultiertransport aus dem Tal und das Haus wurde mit Holz und Kohle beheizt. Die Schicht der Gäste änderte sich, anstelle des Adels kamen nun verstärkt Vertreter der bürgerlichen Mittelschicht, Ärzte, Ingenieure, Beamte und Hochschullehrer.

Die Gäste bleiben aus
Beginnend mit den sechziger Jahren veränderte sich durch das Einsetzen des Massentourismus das touristische Publikum und seine Ansprüche. Zahlreiche bequeme und preiswerte Ferienchalets entstanden auf der Riederalp, mit denen die im Unterhalt und Betrieb sehr teure Villa Cassel nicht mehr konkurrieren konnte. So wurde das Haus 1969 nach 45 Jahren Hotelbetrieb geschlossen. Zusehends verfielen Villa und Chalet Cassel...