Exklusive Gäste aus Adel und Hochfinanz

In einer Rekordzeit von nur zwei kurzen Alpsommern gelang es, diese 25-Zimmer-Villa auf der Riederfurka zu vollenden. Im August 1902 trugen sich die ersten Gäste in das Ehrenbuch der Villa Cassel ein, darunter viele Mitglieder der Familie von Ernest Cassel.

Ein liebevoller Grossvater
Nachdem Sir Cassels Frau bereits 1881 an einer Lungentuberkulose gestorben war, wandte sich Cassel um so intensiver seiner Schwester Minna und seinem Neffen Felix Cassel und vor allem seiner Tochter Maud und deren Töchtern Mary und Edwina (die spätere Lady Mountbatten, Vizekönigin von Indien) zu.

Für die beiden Enkelinnen liess er später das Chalet Cassel neben der Villa errichten, damit die beiden zwar in seiner Nähe waren, aber ohne die Arbeit und die Vergnügungen der Erwachsenenwelt allzu stark zu stören.

Ein gewiefter Geschäftsmann
Schliesslich entsagte Cassel seiner Arbeit auch in der Sommerresidenz nicht wirklich. Schon 1901 hatte er sich auf eigene Kosten eine Telefonleitung zur Villa ziehen lassen, um wichtige Geschäfte weiterhin rasch erledigen zu können, und stets über die neusten Nachrichten zu verfügen.

Noch heute zeugen Briefpapiere und Korrespondenz von Cassel (für Hausgäste ausgestellt in einer Vitrine im 1. Stock) wie auch ein geheimes Dossier über seine Aktivitäten in sibirischen Goldminen (für Hausgäste einsehbar in unserer Bibliothek) vom unermüdlichen Schaffen des Bankiers.

Ein grosszügiger Gastgeber
Ansonsten fanden sich im Sommer zahlreiche bekannte und einflussreiche Gäste von Politik und Hochfinanz aus England, Deutschland, Frankreich und Amerika in der Villa Cassel ein. Darunter auch der junge Winston Churchill, der sich mindestens viermal hier aufhielt. Er nutzte die Zeit, um an seinen Büchern zu schreiben, unter anderem an der Biographie seines Vaters. Aus dieser Zeit ist überliefert, dass Churchill sich eine der ersten Schreibmaschinen heraufkommen liess, weswegen bald das Gerücht durch das Dorf ging, in der Villa Cassel würden Bücher -oder gar Banknoten?- gedruckt.

Die Bergbauern und Winston Churchill
In Erinnerung geblieben ist auch, dass Churchill das Läuten der Kuhglocken als sehr störend empfand, und öfter wütend auf die Hirten einschimpfte. Jedoch nützte es nichts, denn sie verstanden kein Englisch. Erst Cassel verstand den Konflikt zu lösen, indem die Hirten für ein wenig Geld Heu in die Glocken stopften, so dass für die Zeit von Churchills Aufenthalt relative Ruhe herrschte. Einfach war das Verhältnis zwischen dem reichen Bankier und den einheimischen Bauern aber nie...