Der adelige Bankier und die einheimischen Walliser Bauern

Natürlich gab diese exklusive und fremde Gesellschaft in Cassels Sommerresidenz zu zahlreichen Gerüchten und Mutmassungen Anlass, und es wurde viel geredet über die eigenartigen Leute mit ihrem sonderbaren Verhalten auf der Riederfurka. Dennoch war Cassel bei den Einheimischen hoch geachtet und in seiner Art respektiert.

Von Geld und Geist
Einserseits forderte er Distanz und hielt sie auch selbst strikt ein - so verweigerte er zum Beispiel der einheimischen Bevölkerung in den Wochen seiner Anwesenheit im Sommer die Benutzung des Rundweges um das Riederhorn, den er für seine herzkranke Schwester hatte anlegen lassen. Auf der anderen Seite revanchierte er sich durch grosszügige Geldspenden für gemeinnützige Zwecke. Noch heute besteht eine seiner Tochter gewidmete Stiftung, deren Zinserlös jährlich an Bedürftige in den umliegenden Gemeinden ausgeteilt wird.

Und auch das alljährlich im August stattfindende «Casselfest», bei welchem die Einheimischen einige Stunden zu Speise, Trank und Tanz vor der Villa eingeladen waren, sprachen für den Versuch Cassels, den Kontakt zu seinen so anderen Nachbarn zu pflegen.

Von Proviantträgern und Bergführern
Nicht zuletzt fanden natürlich auch einige Einheimische Beschäftigung in der Villa Cassel, sei dies als Proviantträger, der jeden Morgen um 7 Uhr frische Brötchen aus Mörel heraufzubringen hatte, oder als Bergführer, der Cassels Gästen stets für kleinere Spaziergänge oder auch grössere Bergtouren zur Verfügung stand. So wissen wir nicht zuletzt aus den Schilderungen einheimischer Angestellter von Sir Cassel einiges über die Lebensumstände in der Villa Cassel.

Zwölf Jahre lang kam Sir Ernest Cassel fast jeden Sommer für einige Wochen in seine Residenz, stets begleitet von einer grossen Gesellschaft. Doch das Ende einer Epoche zeichnete sich bereits ab...